F-Gase-Verordnung

Was ist die F-Gase-Verordnung

Die aktualisierte F-Gase-Verordnung der EU (Nr. 517/2014) ist am 1.1.2015 in Kraft getreten. Das Ziel ist eine drastische Senkung der Emissionen von fluorierten Treibhausgasen (F-Gasen). Dazu wird bis 2030 eine schrittweise Reduktion („Phase-Down”) von fluorierten Kältemitteln in der EU umgesetzt. Die verfügbare Menge an klimaschädlichen Kältemitteln soll bis zum Ende der Umsetzungsphase von 100 % auf 21 % reduziert werden. Konkret versteht man unter der F-Gase-Verordnung ein Maßnahmenpaket, welches die Neuproduktion von treibhauswirksamen Kältemitteln mit einem hohen GWP schrittweise verbietet. Für Planer und Endkunden bedeutet die Verordnung, dass viele Wärmepumpen und Klimageräte, die aktuell eingesetzt werden, in wenigen Jahren nicht mehr betrieben werden dürfen, da die Kältemittel nicht mehr in ausreichenden Mengen am Markt verfügbar sind. Eine frühzeitige Auseinandersetzung mit den Auflagen der F-Gase-Verordnung ist daher essentiell, um zukunftssichere Investitionsentscheidungen zu treffen und Kunden nachhaltig zu beraten.

Warum ist die F-Gase-Verordnung relevant

Da die F-Gase-Verordnung für alle synthetischen Kältemittel gilt, haben die Änderungen einen hohen Einfluss auf die Gebäudeplanung. Dies wird vor allem deutlich, wenn man bedenkt, dass Wärmepumpen oft eine Betriebszeit von 15 Jahren oder mehr haben. Fällt die Betriebszeit einer solchen Anlage aufgrund der aktuellen Regelungen geringer aus, können Investitionen schnell unwirtschaftlich werden. Daher sollten auch heute schon in jedem Planungsprojekt die Regelungen der F-Gase-Verordnung berücksichtigt werden, um zukunftssichere Entscheidungen zu treffen.

Klimaschädliche Kältemittel

Klimaschädliche Kältemittel sind synthetische Kältemittel wie R404A, welche oft in Wärmepumpen oder Klimaanlagen zum Einsatz kommen. Diese Kältemittel verursachen - wenn sie freigesetzt werden und in die Umwelt gelangen - einen Großteil der F-Gase. Im Vergleich zu natürlichen Kältemitteln wie CO2 haben synthetische Kältemittel einen wesentlich höheren Einfluss auf den Treibhauseffekt. Um den Einfluss der verschiedenen Kältemittel vergleichbar zu machen, werden die Mengen eines Kältemittels seit 2017 nicht mehr in Kilogramm, sondern in CO2-Äquivalent angegeben. Dabei wird ersichtlich, dass bereits 1 Kilogramm eines synthetischen Kältemittels den gleichen negativen Einfluss auf die Umwelt haben kann, wie mehrere Tonnen des natürlichen Kältemittels CO2. Dies ist mit dem hohen GWP (Global Warming Potential) von synthetischen Kältemitteln zu begründen.


CO2-Äquivalent

Die nachfolgende Tabelle 1 zeigt eine Auflistung der gängigen Kältemittel, die in Wärmepumpen und Klimaanlagen zum Einsatz kommen. Die Spalte 'GWP' zeigt das Treibhauspotential der einzelnen Kältemittel. Die Spalte '5 t CO2 Eq. in kg' zeigt die Menge eines Kältemittels, die die gleiche Wirkung auf den Treibhauseffekt haben, wie 5 Tonnen CO2. Es ist zu sehen, dass bereits vermeidlich kleine Mengen im Kilogrammbereich aufgrund des hohen GWP den Treibhauseffekt signifikant beeinflussen.

KältemittelTypGWP-Wert5 t CO2 Eq. kg
R134afluoriert14303,5
R404Afluoriert39221,3
R407Cfluoriert17742,8
R410Afluoriert20882,4
R422Dfluoriert27301,8
R507fluoriert39851,3

Tabelle 1: Synthetische Kältemittel.


Aus der oben stehenden Tabelle wird das hohe Treibhauspotential (GWP) von synthetischen Kältemitteln deutlich. Am Beispiel von R404A lassen sich die Einflüsse veranschaulichen. Der GWP liegt hier bei 3922. Dies bedeutet, dass 1 Kilogramm R404A dasselbe schädliche Treibhauspotential hat, wie 3922 Kilogramm CO2 Äquivalent.


KältemittelTypGWP-Wert5 t CO2 Eq. kg
Propannatürlich51000
R744 (CO2)natürlich15000

Tabelle 2: Natürliche Kältemittel.


Bei natürlichen Kältemitteln ist der GWP wesentlich geringer. So hat Propan beispielsweise nur einen GWP von 5. R404A hat damit ca. ein um den Faktor 800 höheres Treibhauspotential als Propan (3922 / 5 = 784,4). CO2 stellt hier einen Sonderfall dar, da es als Basis für die Berechnung des CO2 Äquivalents dient und somit auf den Wert 1 normiert wurde. Der GWP von CO2 als Kältemittel liegt somit bei 1.

Phase-Down bis 2030

Die nachfolgende Abbildung zeigt den Zeitraum für die Umsetzung der F-Gase-Verordnung von 2015 bis 2030. Die Abbildung zeigt die Menge an neu produzierten F-Gasen, die auf den europäischen Markt kommen darf. Diese Menge wird stufenweise verringert bis im Jahr 2030 nur noch 21% CO2-Äquivalent der ursprünglichen Menge von 2015 auf dem europäischen Markt zur Verfügung steht. Das Ziel ist hierbei das Umschwenken auf alternative Kältemittel mit einem geringeren GWP (Global Warming Potential).



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Abbildung 1: Phase-Down bis 2030.


2016: F-Gase-Verordnung hat erstmalig praktische Auswirkungen

Nachdem die F-Gase-Verordnung am 1.1.2015 in Kraft getreten ist, erfolgt am 1.1.2016 die erste Stufe des Phase-Downs. Hierbei wird die am Markt verfügbare Menge um 7 Prozentpunkte auf 93 % reduziert. Ausgangswert ist hierbei die festgesetzte Referenzmenge für das Jahr 2015 (=100 %).


2018: Erste drastische Senkung

Im Jahr 2018 geht der Phase-Down in die nächste Stufe. Nachdem die erste Stufe des Phase-Downs in 2016 mit 7 Prozentpunkten noch relativ moderat ist, erfolgt in 2018 eine Verringerung um ganze 30 %. Insgesamt beträgt die Reduzierung seit 2016 damit schon 37 %. Spätestens hier sollten die Auswirkungen der F-Gase-Verordnung deutlich zu spüren sein.


2020: Zusätzliche Verbote von Neuanlagen und Wartungsbeschränkungen

Für Neuanlagen gilt ein Verbot von Kältemitteln mit einem GWP von über 2500. Auch dürfen Bestandsanlagen nicht mehr mit neu hergestelltem Kältemittel befüllt werden, dessen GWP über 2500 liegt. Dies gilt nicht für recycelte Kältemittel. Allerdings bleibt abzuwarten, wie gut der Markt für recycelte Kältemittel funktioniert und wie viel Kältemittel letztlich am Markt zur Verfügung stehen wird.


2021: Hohe Einschnitte in Verbindung mit Verboten und Beschränkungen

Die erneute Reduzierung der Mengen klimaschädlicher Kältemittel um 18 Prozentpunkte auf nur noch 45 % und die Verbote und Beschränkungen aus dem Jahr 2020 machen deutlich, dass es riskant ist, weiterhin Anlagen zu verbauen, die Kältemittel mit einem hohen GWP verwenden. Während die Schritte des Phase-Downs klar definiert sind, ist die Entwicklung des Kältemittelmarktes reine Spekulation.


2024 bis 2030: Die vollständige Umsetzung der F-Gase-Verordnung

Im Jahr 2024 und 2027 kommt es zu weiteren Senkungen um 6 respektive 7 Prozentpunkten. Mit der abschließenden Senkung im Jahr 2030 ist der Phase-Down-Prozess beendet und die beschlossene Senkung um 79 Prozentpunkte auf 21 % der ursprünglichen Menge aus dem Jahr 2015 abgeschlossen.



Die aktuelle Situation am Kältemittelmarkt

Obwohl die F-Gase-Verordnung mit dem Phase-Down bis 2030 eine schrittweise Reduktion vorsieht, die einen nahtlosen Übergang zu Kältemitteln mit geringem Treibhauspotential ermöglichen soll, sieht die Realität anders aus. Bereits im Jahr 2017 häufen sich die Meldungen, dass Kältemittel nicht mehr in ausreichender Menge verfügbar sind. Dies führt bereits jetzt zu einem starken Preisanstieg bei Kältemitteln, die teilweise nur noch zu Tagespreisen gehandelt werden (können). Außerdem kann es durchaus passieren, dass bestimmte Kältemittel zeitweise gar nicht verfügbar sind.



Ausblick

Die EU-F-Gase-Verordnung hat das ambitionierte Ziel, klimaschädliche Treibhausgase bis 2030 stark zu reduzieren. Der Zeitraum von 15 Jahren (2015 bis 2030) scheint - gerade auch im Hinblick auf die schrittweise Senkung durch den Phase-Down - durchaus machbar zu sein.

Allerdings täuscht die Zahl 2030 und gibt einen vermeidlichen Zeitpuffer vor, der so gar nicht existiert. Denn bereits 3 Jahre (2018) nach dem Inkrafttreten der Verordnung liegt die verfügbare Menge an synthetischen Kältemitteln nur noch bei 63 %, nach 6 Jahren (2021) sind weniger als die Hälfte (45 %) der ursprünglichen Mengen verfügbar.

Bereits in 2017 ist der Kältemittelmarkt unkalkulierbar geworden, obwohl in einem ersten Schritt gerade einmal 7 % vom Markt genommen wurden. Für 2018 ist der erste „große Schritt“ geplant, der eine Senkung um weitere 18 % mit sich bringt. Hinsichtlich der aktuellen Situation ist davon auszugehen, dass sich die Lage weiter verschärft.



Handlungsempfehlungen

Planer, Architekten, Fachinstallateure und alle anderen Entscheider sollten sich ausgiebig mit den Regelungen und Fristen der F-Gase-Verordnung befassen. Auffällig ist, dass es immer noch viele Entscheider gibt, denen die Verordnung bis heute nicht bekannt ist.

Gerade im Hinblick auf den instabilen Kältemittelmarkt ist es ratsam, so früh wie möglich auf alternative Kältemittel umzusteigen um sich der aktuellen Marktentwicklung zu entziehen. Es gibt mittlerweile technisch ausgereifte Anlagen mit natürliche Kältemitteln wie CO2 oder Propan, die auch langfristig die Forderungen der F-Gase-Verordnung erfüllen.

Auch wenn die Umstellung auf neue Technologien schwerfällt. Die F-Gase-Verordnung ist in vollem Gange. Für eine nachhaltige und langfristig wirtschaftliche Entscheidung ist es notwendig, sich mit den Alternativen auseinander zu setzen und bewährte Denkstrukturen abzulegen. Dies ist sowohl im Sinne der Entscheider aber vor allem auch im Sinne gut beratender, zufriedener Kunden.



Weiterführende Links

>Mitsubishi Q-ton: Luft-Wasser-Wärmepumpe mit natürlichem Kältemittel CO2
>EU-Verordnung über fluorierte Treibhausgase (Quelle: Umweltbundesamt)
>Kältemittel nicht mehr in ausreichender Menge verfügbar (Quelle: Bonner Stimme)